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Koordinationsbüro
für Offene Jugendarbeit
und Entwicklung

Die Aktionstage 2018: "Nie wieder Faschismus"

Ein Rückblick

Mit über 250 Besucher*innen gingen die 16. Aktionstage „Nie wieder Faschismus“ der Offenen Jugendarbeit Lustenau in Kooperation mit dem Jugendtreff Westend Bregenz über die Bühne. Die Organisator*innen der beiden Jugendvereine zeigten sich begeistert von dem regen Interesse der jungen Menschen an dieser wichtigen Veranstaltungsreihe.

Gestartet wurde am Donnerstag, den 15.03.2018, mit dem Vortrag der Zeitzeugin und Ausschwitzüberlebenden Christa Rose im Culture Factor Y. Die Schilderungen von ihrem Erlebten zogen die Zuhörer in Bann und regten zum Nachdenken an. In ihren Ausführungen appellierte Christa Rose, bei gesellschaftlichen Herausforderungen nicht nach Sündenböcken zu suchen und keine Menschen auszugrenzen.

Roman Zöhrer von der Offenen Jugendarbeit Lustenau betont, dass es wichtig ist, die Geschichte zu kennen und vor allem aus ihr zu lernen, damit wir zukünftig achtsam sind und nicht in unserer Gesellschaft dieselben katastrophalen Fehler wieder machen.

An diesem Abend wurde auch das bereits in den Wochen vor den Aktionstagen entstandene Plakat „Gesicht zeigen und querstellen“ präsentiert. Dieses Plakat wurde in Anlehnung an das Zitat von Max Mannheimer „Wir sind nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon“, von den Jugendlichen gestaltet.

Weiter ging es am Freitag, den 16.03.18, im Jugendtreff Oase mit einem lebendigen und sehr interessanten Workshop zum Thema Anti-Rassismus. Besucher*innen des Jugendtreffs und zwei Referentinnen der young caritas haben sich auf sehr lebensnahe, persönliche und spielerische Art und Weise mit Themen rundum Ausgrenzung und Diskriminierung beschäftigt und auseinandergesetzt.

Dazu Soraya, 13 Jahre aus Lustenau - Workshop Teilnehmerin Oase: „Es ist schlecht Menschen auszugrenzen, weil man sich einfach gar nicht gut fühlt, wenn man ausgegrenzt wird. Der Workshop war super für mich und ich habe viel gelernt.“

Zur gleichen Zeit haben sich Besucherinnen des Mädchencafés am Workshop „Fotocollage zum Thema: Nie wieder Faschismus“ beteiligt. Gemeinsam wurden zu Beginn verschiedene Begriffe geklärt (z.B: Faschismus, Juden… etc.) und im Allgemeinen wurde das Thema Faschismus besprochen. In der Mitte des Plakates platzierten die Mädchen ihre Kernaussage: „Faschismus - nicht mit uns!“ Rundherum wurde die Collage kreativ gestaltet mit Text, Fotos und Zeichnungen zum Thema. Aus der Sicht von Kindern benannten die Mädchen die Kinderrechte, wie zum Beispiel: „Kein Kind darf gefoltert werden.“ oder „Ein Kind mit einer Behinderung darf nicht ausgeschlossen werden.

Dazu Laura 15, aus Lustenau: „Ich finde es sehr wichtig, dass man darüber spricht was passiert ist und dass man es nicht unter den Teppich kehrt und verschweigt. Vor allem finde ich es wichtig, dass man Kinder heutzutage aufklärt und ihnen erzählt was passiert ist, damit es nicht wieder passiert!“

Weiters Anna 15, aus Dornbirn: „Das wichtigste, das ich gelernt habe, als ich mich mit dem Thema Faschismus auseinandergesetzt habe ist, dass alles was man sagt und tut eine Auswirkung hat. Es kann sehr gefährlich sein irgendwo mitzumachen, nur weil es andere Leute gibt die mitmachen.“

Am Freitagabend war der Dozent Philipp Lehar von der Universität Innsbruck zu Gast im Culture Factor Y und gab einen Überblick über die Entwicklung der Jugendarbeit zwischen 1930 und 1960.

Vera Natter, Jugendarbeiterin Westend Bregenz, meint dazu: „Die Frage inwieweit eine Entnazifizierung stattfinden konnte bzw. ob sie überhaupt stattgefunden hat bleibt offen.“

Trotz zunehmend schlechtem Wetter und Kälte machten sich dann am Samstag, den 17.03.18, rund 30 Personen zu Fuß durch Lustenau auf den Weg. Bei dem zweistündigen Rundgang wurden bei versch. Lustenauer Gedächtnis-Orten halt gemacht und Oliver Heinzle vom Archiv Lustenau konnten den Interessierten viele Informationen über die NS-Zeit in Lustenau geben. Interessant war zum Beispiel zu erfahren, dass im Gebäude in welchem heute der Jugendtreff Oase angesiedelt ist, damals die NSDAP-Parteizentrale der Ortsgruppe Rheindorf war.

Gleich im Anschluss daran fand ein Workshop „Nationalsozialismus und Holocaust“ mit Johannes Spiess im Culture Factor Y statt. Jugendliche aus Lustenau und Bregenz haben beim Workshop Einblicke in die Themen „Nationalsozialismus“, „Rassismus" und „Antisemitismus“ bekommen. Dabei wurden Fragen zur eigenen Identität, zu Vorurteilen und zur Bedeutung der Ereignisse für die Gegenwart thematisiert.

Mit der Poetry Slamerin Alexandra Seybal aus Bregenz ist der programmreiche Samstag ausgeklungen. Auszug aus ihrem Redebeitrag: "Rassismus, Antisemitismus ist nicht nur ein Produkt der Vergangenheit. In mir kommt Wut und Tränen hoch. Kloß im Hals, wer macht sowas bloß?
Wer, wer, schwer."
Ihre Worte berührten, verstörten und machten Mut zugleich. Passender konnte dieser Tag nicht beendet werden.

Der krönende Abschluss der Aktionstage war der Besuch des jüdischen Museums am Sonntag. Besucherinnen des Mädchencafés Lustenau unternahmen gemeinsam mit Jugendlichen des Jugendtreffs Oase eine Exkursion in das jüdische Museum in Hohenems. Die Dauerausstellung sowie die an dem Sonntag eröffnete Sonderausstellung „Sag Schibbolet!“ standen auf dem Programm für die Jugendlichen. Bei der interessanten Führung durch das Haus und durch das jüdische Viertel konnten alle Fragen beantwortet werden. Somit gingen die Aktionstage 2018 mit einer spannenden Exkursion zu Ende.

Alper 14 Jahre aus Lustenau, dazu: „Ich fands interessant und es hat mich inspiriert so viel zu erfahren. Ich interessiere mich immer für neue Religionen.“

Anja 11 Jahre aus Höchst: „Es war sehr gut - am besten hat mir die Schriftrolle Tora gefallen.“

 

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Dienstag,13.März 2018· koje Termine


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